MW-107 Wave Maker, Gyre & Crossflow – welche Strömungspumpe ist die richtige?
Wavemaker, Gyre, Crossflow & drehbare Strömungspumpen – welches System ist das richtige?
Bei der Auswahl einer Strömungspumpe für ein Meerwasseraquarium geht es nicht nur um die Frage, wie viele Liter Wasser pro Stunde bewegt werden. Ebenso wichtig ist die Art und Weise, wie diese Wasserbewegung entsteht.
Klassische Propellerpumpen, Wavemaker, Gyre- beziehungsweise Crossflow-Systeme und drehbare Strömungspumpen verfolgen unterschiedliche Ansätze. Hinzu kommt mit dem Closed-Loop-System eine Lösung, bei der die eigentliche Pumpe außerhalb des Schaubeckens betrieben und die Strömung über fest geplante Leitungen und Auslässe erzeugt wird.
Dieser Artikel erklärt die Unterschiede und zeigt, welches Strömungskonzept zu welcher Aquariensituation passen kann.
Wichtig: MW-107 beschäftigt sich bewusst mit den Strömungskonzepten. Die konkrete Auswahl einzelner Produkte und Modelle ist Schwerpunkt von MW-106 – Strömungspumpen Test & Vergleich. Die benötigte Pumpenleistung wird ausführlicher in MW-103 – Strömungspumpe richtig dimensionieren behandelt.
Lernziele
Nach diesem Artikel kannst du:
- Wavemaker, Gyre und Crossflow unterscheiden
- klassische Propellerpumpen von großflächigen Strömungssystemen abgrenzen
- das Prinzip drehbarer Strömungspumpen verstehen
- die Vorteile und Grenzen eines Closed-Loop-Systems einschätzen
- beurteilen, welches Strömungskonzept zu einem kurzen oder langen Aquarium passt
- die verschiedenen Systeme anhand des tatsächlichen Strömungsbildes vergleichen
- Wavemaker, Gyre, Crossflow und drehbare Pumpen sinnvoll für dein Riffaquarium einordnen
Wavemaker, Gyre und Crossflow – was bedeuten die Begriffe?
Die Begriffe werden im Handel nicht immer völlig einheitlich verwendet.
Ein Wavemaker ist in der Meerwasseraquaristik meist eine regelbare Strömungspumpe oder ein Strömungssystem, mit dem sich unterschiedliche Wasserbewegungen erzeugen lassen.
Gyre beschreibt dagegen ein Strömungsprinzip, bei dem das Wasser großräumig durch das Aquarium zirkuliert.
Crossflow bezeichnet die technische Form einer großflächigen Wasserbewegung. Das Wasser wird nicht ausschließlich aus einem einzelnen Punkt in das Aquarium gedrückt, sondern über eine größere Fläche bewegt.
Bei einer klassischen Propellerpumpe entsteht dagegen zunächst eine Strömung ausgehend vom Pumpenkopf.
Diese Unterschiede sind für die Praxis relevant, weil zwei Pumpen mit derselben maximalen Leistung ein völlig unterschiedliches Strömungsbild erzeugen können.
Warum das Strömungsbild wichtiger ist als die reine Leistungsangabe
Eine Angabe wie 5.000, 7.500 oder 13.000 l/h beschreibt zunächst die Leistungsfähigkeit einer Pumpe.
Sie sagt jedoch nicht, wie diese Wasserbewegung im Aquarium verteilt wird.
Riffgestein, Korallen und die Beckenform verändern die Wasserwege. Eine punktuell starke Strömung kann deshalb direkt vor der Pumpe sehr intensiv sein, während andere Bereiche deutlich weniger Wasserbewegung erhalten.
Bei einem Crossflow-System wird die Strömung dagegen anders im Aquarium verteilt.
Das bedeutet nicht, dass Crossflow grundsätzlich besser ist. Es bedeutet lediglich, dass unterschiedliche Pumpenkonzepte unterschiedliche Aufgaben erfüllen können.

Unterschiedliche Pumpenkonzepte verändern entweder Leistung, Richtung oder Verteilung der Strömung und können dadurch verschiedene Bereiche eines Riffaquariums erreichen.
Klassische Propellerpumpe
Die klassische Propellerpumpe ist eine der flexibelsten Lösungen für ein Meerwasseraquarium.
Der Pumpenkopf wird meist mit einer Magnet- oder Halterung am Aquarium befestigt. Das Wasser wird angesaugt und über den Propeller wieder in das Becken bewegt.
Der entscheidende Vorteil ist die gezielte Ausrichtung.
Die Pumpe kann beispielsweise so positioniert werden, dass sie:
- entlang der Riffstruktur strömt
- einen bestimmten Bereich des Beckens erreicht
- Wasser hinter dem Riff bewegt
- zusammen mit einer zweiten Pumpe ein wechselndes Strömungsbild erzeugt
Moderne Modelle lassen sich häufig elektronisch regeln.
Das macht die klassische Propellerpumpe zu einer vielseitigen Lösung für viele Aquarien.
Wavemaker: wechselnde Wasserbewegung
Ein Wavemaker erweitert das klassische Pumpenkonzept um eine elektronische Steuerung.
Je nach Modell können unterschiedliche Betriebsarten zur Verfügung stehen:
- konstante Strömung
- Pulsbetrieb
- wechselnde Intensität
- Zufallsprogramme
- Fütterungsmodus
- Tag-/Nachtbetrieb
- zeitgesteuerte Programme
Damit kann die Wasserbewegung im Tagesverlauf verändert werden.
Allerdings sollte eine sichtbare Wellenbewegung an der Wasseroberfläche nicht mit einer automatisch optimalen Riffströmung gleichgesetzt werden.
Eine möglichst hohe Welle ist nicht das eigentliche Ziel.
Entscheidend ist, ob das Wasser auch die Bereiche erreicht, in denen es benötigt wird.
Gyre: großräumige Wasserzirkulation
Das Gyre-Prinzip verfolgt einen großräumigen Ansatz.
Statt das Wasser nur von einem Punkt aus in eine Richtung zu bewegen, wird versucht, eine Zirkulation über einen größeren Teil des Aquariums aufzubauen.
Das Wasser kann beispielsweise entlang der Oberfläche in eine Richtung strömen, am gegenüberliegenden Ende umgelenkt werden und anschließend in einem unteren Bereich zurückfließen.
Dadurch entsteht ein großräumiger Kreislauf.
Dieses Prinzip kann insbesondere bei längeren Aquarien interessant sein.
Crossflow: Strömung über eine größere Fläche
Crossflow-Systeme setzen ebenfalls auf eine möglichst großflächige Wasserbewegung.
Der Pumpenkopf ist dabei anders aufgebaut als bei einer klassischen Propellerpumpe.
Statt eines einzelnen konzentrierten Auslasses wird das Wasser über eine längere Pumpeneinheit bewegt.
Das kann dazu beitragen, eine breite Strömungszone aufzubauen.
Gerade bei längeren Becken kann dieses Konzept interessant sein, weil die Wasserbewegung nicht ausschließlich von einem einzelnen Punkt ausgeht.
Gyre und Crossflow – ist das dasselbe?
Die Begriffe werden häufig gemeinsam verwendet, sollten aber nicht vollkommen gleichgesetzt werden.
Crossflow beschreibt in erster Linie die technische Art der Wasserbewegung.
Gyre beschreibt das großräumige Strömungsprinzip beziehungsweise den dadurch erzeugten Kreislauf.
Im praktischen Aquaristik-Sprachgebrauch werden beide Begriffe allerdings häufig für ähnliche Pumpensysteme verwendet.
Für die Kaufentscheidung ist deshalb wichtiger, das tatsächliche Strömungsbild des jeweiligen Modells zu betrachten als sich ausschließlich an der Bezeichnung zu orientieren.
Wann ist eine Crossflow-Pumpe interessant?
Ein Crossflow-System kann besonders interessant sein, wenn:
- das Aquarium relativ lang ist
- eine großflächige Wasserbewegung gewünscht wird
- die Strömung nicht nur aus einem einzelnen Punkt kommen soll
- eine großräumige Zirkulation aufgebaut werden soll
- die klassische Propellerpumpe nicht ausreichend weit in das Becken wirkt
Bei einem kleinen, stark strukturierten Aquarium kann eine klassische Propellerpumpe dagegen einfacher zu positionieren sein.
Welche Rolle spielt die Aquarienform?
Die Form des Aquariums sollte bei der Auswahl des Strömungssystems berücksichtigt werden.
Ein nahezu quadratisches Aquarium lässt sich anders durchströmen als ein 150 oder 180 cm langes Riffbecken.
Bei langen Becken ist die Reichweite der Wasserbewegung besonders wichtig.
Hier kann ein Crossflow- oder Gyre-System einen interessanten Ansatz darstellen.
Bei stark strukturierten Becken kann dagegen die gezielte Ausrichtung einzelner Propellerpumpen Vorteile bieten.

Kurze und lange Aquarien können unterschiedliche Strömungskonzepte erfordern – neben dem Volumen spielt die Beckenform eine wichtige Rolle.
Drehbare Strömungspumpen: Wenn sich die Strömungsrichtung verändert
Eine interessante Alternative zu fest positionierten Pumpen sind drehbare Strömungspumpen.
Hier wird nicht nur die Leistung der Pumpe verändert. Die Pumpe selbst bewegt sich während des Betriebs.
Dadurch verändert sich die Richtung des Wasserstroms.
Das Grundprinzip ist einfach:
Die Pumpe bleibt nicht dauerhaft auf denselben Riffbereich ausgerichtet.
Stattdessen wandert der Strömungskegel beziehungsweise Strömungsbereich über einen bestimmten Winkel.
Damit lässt sich eine abwechslungsreichere räumliche Wasserbewegung erzeugen.
Osci-Motion und bewegte Pumpen
Das Prinzip bewegter Strömungspumpen ist in der Meerwasseraquaristik nicht neu.
Unter Bezeichnungen wie Osci-Motion beziehungsweise Oszimotion wurden bereits Systeme bekannt, bei denen eine Strömungspumpe mechanisch bewegt wird.
Das Grundprinzip ist bis heute interessant:
Eine klassische Strömungspumpe kann dadurch einen größeren Bereich des Aquariums erreichen, ohne dass mehrere fest installierte Pumpen an unterschiedlichen Positionen notwendig sind.
Aktuelle Systeme setzen dieses Prinzip teilweise mit motorisierten Dreheinheiten und elektronischer Steuerung um.
Beispielsweise bietet TUNZE mit der ORCA-Lösung eine motorisierte Bewegungseinheit für entsprechende Turbelle-Strömungspumpen an. Die Pumpe kann während des Betriebs in ihrer Ausrichtung verändert werden.
Was bringt eine drehbare Strömungspumpe?
Der wesentliche Vorteil liegt in der wechselnden Anströmrichtung.
Bei einer fest installierten Pumpe bleibt der Strömungskorridor weitgehend gleich.
Bei einer bewegten Pumpe verändert sich dagegen die Position dieses Strömungskorridors.
Das kann beispielsweise bedeuten:
- Bereich A wird angeströmt
- die Pumpe dreht weiter
- Bereich B wird erreicht
- anschließend wird Bereich C angeströmt
- danach beginnt der Zyklus erneut
Dadurch kann eine einzelne Pumpe eine größere räumliche Fläche erreichen.
Das ist besonders interessant, wenn eine abwechslungsreiche Strömung gewünscht wird.
Drehbar bedeutet nicht automatisch besser
Auch bei einer drehbaren Pumpe bleibt die Positionierung wichtig.
Wenn der Drehbereich falsch gewählt ist, kann die Pumpe beispielsweise:
- direkt auf empfindliche Korallen zeigen
- die Wasseroberfläche unnötig stark bewegen
- die Strömung zu stark gegen die Frontscheibe richten
- bestimmte Riffbereiche weiterhin nicht erreichen
Deshalb sollte der Drehbereich immer auf das konkrete Aquarium abgestimmt werden.
Eine drehbare Pumpe ist also kein Ersatz für eine sinnvolle Strömungsplanung.
Wavemaker oder drehbare Strömungspumpe?
Der Unterschied lässt sich vereinfacht so darstellen:
Wavemaker: Die Pumpe verändert vor allem Leistung und zeitliches Strömungsmuster.
Drehbare Pumpe: Zusätzlich verändert sich die räumliche Richtung der Strömung.
Beides kann miteinander kombiniert werden.
Eine Pumpe kann beispielsweise ihre Leistung verändern und gleichzeitig langsam zwischen unterschiedlichen Positionen schwenken.
Damit entstehen deutlich komplexere Strömungsmuster als bei einer dauerhaft fest ausgerichteten Pumpe.
Closed Loop: Strömung über externe Leitungen
Eine weitere Möglichkeit ist das Closed-Loop-System.
Hier befindet sich die Strömungspumpe nicht einfach als sichtbare Pumpe im Aquarium.
Stattdessen wird Wasser aus dem Aquarium angesaugt, durch eine externe Pumpe bewegt und anschließend über einen oder mehrere Auslässe wieder in das Aquarium zurückgeführt.
Vereinfacht:
Aquarium → Ansaugung → externe Pumpe → Auslässe → Aquarium
Der Kreislauf ist vom Filterkreislauf beziehungsweise Technikbecken getrennt.
Das System wird deshalb als „Closed Loop“ bezeichnet.
Welche Vorteile hat ein Closed Loop?
Der größte Vorteil ist die Möglichkeit, die Wasserbewegung bereits bei der Planung des Aquariums in die Verrohrung zu integrieren.
Auslässe können beispielsweise:
- hinter dem Riff
- unterhalb des Riffaufbaus
- an verschiedenen Seiten
- an mehreren Stellen des Aquariums
vorgesehen werden.
Dadurch lässt sich die Wasserbewegung gezielt planen.
Ein weiterer Vorteil kann die Optik sein, weil weniger sichtbare Pumpentechnik im Schaubecken erforderlich sein kann.
Welche Nachteile hat Closed Loop?
Ein Closed-Loop-System ist wesentlich stärker von der Planung abhängig als eine magnetisch befestigte Strömungspumpe.
Sind Ansaugung und Auslässe einmal verrohrt, lassen sie sich nicht einfach an eine andere Stelle verschieben.
Auch die Durchführung durch das Aquarium muss bereits bei der Planung berücksichtigt werden.
Das macht Closed Loop insbesondere für Neubauten oder umfassend geplante Riffanlagen interessant.
Für ein bestehendes Aquarium ist eine nachträgliche Umsetzung deutlich aufwendiger.
Closed Loop oder normale Strömungspumpe?
Für ein bestehendes Aquarium ist eine klassische Strömungspumpe meistens die flexiblere Lösung.
Sie kann:
- verschoben werden
- ausgetauscht werden
- anders ausgerichtet werden
- bei Bedarf ergänzt werden
Ein Closed Loop ist dagegen stärker Bestandteil der Aquarienkonstruktion.
Deshalb würde ich Closed Loop nicht als direkte Konkurrenz zu jedem Wavemaker betrachten.
Es handelt sich eher um ein anders geplantes Strömungssystem.
Das kleine Suchvolumen für „Closed Loop Aquarium“ zeigt laut SISTRIX aktuell nur eine geringe Nachfrage. Dennoch ist das Thema fachlich relevant und sollte deshalb in MW-107 kurz behandelt werden, statt daraus einen eigenen Schwerpunkt des Artikels zu machen.
Welche Strömungssysteme lassen sich kombinieren?
Die verschiedenen Konzepte schließen sich nicht gegenseitig aus.
Eine Kombination kann beispielsweise so aussehen:
Crossflow-Pumpe: erzeugt die großflächige Grundströmung.
Propellerpumpe: versorgt einen schwer erreichbaren Riffbereich.
Drehbare Einheit: verändert zusätzlich die Richtung einer Pumpe.
Closed Loop: stellt bei entsprechend geplanter Anlage weitere Strömungsauslässe bereit.
Natürlich ist nicht jede Kombination sinnvoll.
Mehr Technik bedeutet auch mehr Wartung und mehr Möglichkeiten für ungünstige Strömungen.
Wavemaker, Gyre, Crossflow und Drehpumpe im Vergleich
| Strömungskonzept | Hauptmerkmal | Besonders interessant bei |
|---|---|---|
| Propellerpumpe | gezielt ausrichtbare Strömung | vielen Aquarienformen |
| Wavemaker | wechselnde Leistung und Programme | dynamischer Wasserbewegung |
| Gyre | großräumiger Strömungskreislauf | längeren Aquarien |
| Crossflow | breit verteilte Wasserbewegung | langen und offenen Becken |
| drehbare Pumpe | wechselnde Strömungsrichtung | abwechslungsreicher Anströmung |
| Closed Loop | externe Pumpe mit festen Auslässen | geplanten Riffanlagen |
Diese Einteilung beschreibt die grundlegenden Konzepte. Das tatsächliche Ergebnis hängt immer vom konkreten Modell, der Einstellung und dem Riffaufbau ab.

Beim Vergleich verschiedener Strömungssysteme sollte nicht nur die maximale Leistung, sondern vor allem die Verteilung der Wasserbewegung betrachtet werden.
Welche Lösung passt zu einem kleinen Aquarium?
Bei kleinen Aquarien sollte die Technik möglichst gut kontrollierbar sein.
Eine kompakte Propellerpumpe oder ein kleiner Wavemaker kann hier sinnvoll sein.
Ein sehr großes Crossflow-System kann dagegen unnötig komplex sein, wenn die gleiche Aufgabe mit einer kleineren Pumpe einfacher gelöst werden kann.
Entscheidend ist, dass die Leistung fein genug reguliert werden kann.
Welche Lösung passt zu einem langen Aquarium?
Bei einem langen Aquarium kann ein Crossflow- oder Gyre-System interessant werden.
Die großflächige Wasserbewegung kann dazu beitragen, die Beckenlänge besser auszunutzen.
Eine Alternative ist die Kombination mehrerer klassischer Propellerpumpen.
Welche Variante besser funktioniert, hängt stark vom Riffaufbau ab.
Welche Lösung passt zu einem stark strukturierten Riff?
Bei vielen Steinen, Überhängen und Durchgängen kann eine gezielt ausrichtbare Propellerpumpe Vorteile bieten.
Eine zusätzliche drehbare Pumpe kann dabei interessant sein, wenn unterschiedliche Bereiche nacheinander angeströmt werden sollen.
Ein Crossflow-System kann ebenfalls funktionieren, sollte aber passend zum Riff positioniert und eingestellt werden.
Welche Lösung für SPS?
SPS-Becken benötigen häufig eine kräftige und dynamische Wasserbewegung.
Dafür können sowohl leistungsstarke Propellerpumpen als auch Crossflow- oder Gyre-Systeme eingesetzt werden.
Auch drehbare Systeme können interessant sein, wenn die Anströmrichtung verändert werden soll.
Die konkrete Strömungsplanung für SPS wird in MW-104 – Strömung für SPS-Korallen behandelt.
Welche Lösung für LPS und Weichkorallen?
Bei LPS und Weichkorallen ist eine kontrollierte Wasserbewegung besonders wichtig.
Eine sehr konzentrierte Strömung sollte nicht einfach deshalb eingesetzt werden, weil die Pumpe eine hohe Maximalleistung besitzt.
Ein regelbarer Wavemaker oder ein entsprechend eingestelltes Crossflow-System kann eine geeignete Lösung darstellen.
Die speziellen Anforderungen dieser Korallengruppen behandelt MW-105 – Strömung für LPS- und Weichkorallen.
Welche Rolle spielt die Pumpenleistung?
Die Pumpenleistung bleibt ein wichtiger Bestandteil der Auswahl.
Sie sollte aber erst nach der Entscheidung für das geeignete Strömungskonzept betrachtet werden.
Die grundsätzliche Reihenfolge lautet daher:
1. Aquarium analysieren
2. Riffaufbau berücksichtigen
3. Korallenbesatz berücksichtigen
4. gewünschtes Strömungsbild festlegen
5. passendes Pumpenkonzept auswählen
6. benötigte Leistung bestimmen
7. Pumpe einstellen und Strömung beobachten
Die konkrete Berechnung beziehungsweise Dimensionierung gehört in MW-103.
Nicht jede Strömung muss sichtbar sein
Ein gutes Strömungsbild lässt sich nicht immer anhand der Wasseroberfläche beurteilen.
Eine starke Oberflächenbewegung kann beeindruckend aussehen, während hinter dem Riff trotzdem wenig Wasserbewegung vorhanden ist.
Umgekehrt kann ein Aquarium optisch relativ ruhig wirken und trotzdem gut durchströmt sein.
Entscheidend ist daher die Wasserbewegung im gesamten Riff.
Beobachte beispielsweise:
- Wie bewegen sich die Korallen?
- Werden Partikel durch das Riff transportiert?
- Bleiben Ablagerungen an bestimmten Stellen liegen?
- Gibt es Bereiche mit dauerhaft geringer Bewegung?
- Wird eine Koralle ständig aus derselben Richtung angeströmt?
Drehbare Pumpe, Gyre oder Wavemaker?
Die Entscheidung lässt sich vereinfacht zusammenfassen.
Wavemaker: gute Wahl, wenn eine regelbare und zeitlich veränderbare Strömung gewünscht wird.
Gyre/Crossflow: interessant, wenn eine großflächige Wasserbewegung über eine längere Strecke aufgebaut werden soll.
Drehbare Strömungspumpe: interessant, wenn zusätzlich die räumliche Richtung der Strömung verändert werden soll.
Closed Loop: interessant, wenn die Strömung bereits bei der Planung des Aquariums über externe Leitungen integriert werden soll.
Klassische Propellerpumpe: besonders flexibel, wenn eine bestimmte Riffzone gezielt angeströmt werden soll.

Die Wahl des Strömungssystems hängt von Beckenform, Riffaufbau, Korallenbesatz und gewünschter Wasserverteilung ab.
Welche Produkte aus dem Sortiment passen zu den Konzepten?
In eurem Shop lassen sich verschiedene Strömungskonzepte abbilden.
Die D-D Funktion Wave 3000, 4000, 10000 und 13000 stehen für unterschiedliche Leistungsklassen regelbarer Wavemaker.
Die Deltec JECOD MLW 5 und MOW 5 decken kleinere Leistungsbereiche ab, während die JECOD SLW 10, SLW 20 und SLW-30 für höhere Leistungsanforderungen interessant sind.
Die Red Sea ReefWave 25 ist aufgrund ihres Crossflow-Konzepts eine interessante Ergänzung zu klassischen Propellerpumpen.
Damit lässt sich im Shop nicht nur nach maximaler Leistung unterscheiden, sondern auch nach dem gewünschten Strömungsprinzip.
Die konkrete Gegenüberstellung der einzelnen Modelle gehört allerdings in MW-106 – Strömungspumpen Test & Vergleich.
Wie finde ich das richtige Strömungskonzept?
Die Auswahl sollte nicht bei der Marke und auch nicht bei der maximalen l/h-Angabe beginnen.
Sinnvoller ist folgende Reihenfolge:
Beckenform: Wie lang und wie tief ist das Aquarium?
Riffaufbau: Ist das Riff offen oder stark strukturiert?
Korallen: Werden SPS, LPS, Weichkorallen oder ein Mischbesatz gepflegt?
Strömung: Soll sie gezielt, breit, wechselnd oder großflächig sein?
Steuerung: Welche Programme werden tatsächlich benötigt?
Positionierung: Wo kann die Pumpe sinnvoll montiert werden?
Wartung: Wie einfach ist die Technik zu reinigen?
Erst danach sollte das konkrete Modell ausgewählt werden.
Häufige Fehler bei der Wahl des Strömungssystems
Nur die maximale Leistung betrachten
Eine hohe l/h-Zahl sagt nichts darüber aus, wie gut das Wasser im gesamten Riff verteilt wird.
Gyre automatisch als bessere Lösung betrachten
Crossflow kann für bestimmte Becken Vorteile haben, ist aber nicht automatisch für jedes Aquarium geeignet.
Wellenhöhe mit Strömung gleichsetzen
Eine sichtbare Wasseroberfläche ist nur ein Teil des Strömungsbildes.
Eine drehbare Pumpe falsch einstellen
Der Schwenkbereich muss zum Riff und zum Korallenbesatz passen.
Closed Loop nachträglich unterschätzen
Rohrleitungen und Durchführungen müssen bei diesem Konzept frühzeitig geplant werden.
Strömung nur an einer Stelle beurteilen
Die Wasserbewegung sollte im gesamten Aquarium betrachtet werden.
Fazit: Wavemaker, Gyre, Crossflow oder drehbare Strömungspumpe?
Es gibt kein universell bestes Strömungssystem.
Ein Wavemaker ist interessant, wenn eine regelbare und dynamische Wasserbewegung gewünscht wird.
Ein Gyre- beziehungsweise Crossflow-System kann seine Stärken bei einer großflächigen Strömung und längeren Aquarien ausspielen.
Eine drehbare Strömungspumpe verändert zusätzlich die Richtung der Wasserbewegung und kann dadurch unterschiedliche Bereiche des Riffs nacheinander erreichen.
Ein Closed Loop geht noch einen Schritt weiter und integriert die Strömung über fest geplante Ansaugungen und Auslässe in die Aquarienkonstruktion.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
„Welche Strömungspumpe ist die stärkste?“
Sondern:
„Welches Strömungskonzept erzeugt in meinem Aquarium die gewünschte Wasserbewegung?“
Erst wenn diese Frage beantwortet ist, sollte die konkrete Pumpenleistung und das passende Modell ausgewählt werden.
Für die nächsten Schritte bieten sich die bereits vorhandenen MW-Artikel an:
MW-103: Strömungspumpe richtig dimensionieren
MW-104: Strömung für SPS-Korallen
MW-105: Strömung für LPS- und Weichkorallen
MW-106: Strömungspumpen Test & Vergleich
FAQ: Wavemaker, Gyre, Crossflow und drehbare Strömungspumpen
Was ist ein Wavemaker?
Ein Wavemaker ist eine regelbare Strömungspumpe beziehungsweise ein Strömungssystem, mit dem unterschiedliche Wasserbewegungen erzeugt werden können.
Was ist eine Gyre-Pumpe?
Eine Gyre-Pumpe erzeugt eine großräumige Wasserzirkulation, bei der das Wasser möglichst über größere Bereiche des Aquariums bewegt wird.
Was ist eine Crossflow-Pumpe?
Ein Crossflow-System erzeugt eine großflächige Wasserbewegung über eine längere Pumpeneinheit und unterscheidet sich dadurch von einer klassischen punktuellen Propellerströmung.
Was ist eine drehbare Strömungspumpe?
Bei einer drehbaren Strömungspumpe wird die Pumpe während des Betriebs mechanisch bewegt. Dadurch verändert sich die Richtung der Wasserströmung.
Was ist Osci-Motion?
Osci-Motion beziehungsweise Oszimotion bezeichnet ein Konzept, bei dem eine Strömungspumpe mechanisch bewegt wird, um eine wechselnde Strömungsrichtung zu erzeugen.
Was ist ein Closed Loop im Aquarium?
Bei einem Closed Loop wird Wasser über eine externe Pumpe aus dem Aquarium angesaugt und über separate Auslässe wieder in das Aquarium zurückgeführt.
Ist eine Gyre-Pumpe besser als ein Wavemaker?
Nicht grundsätzlich. Ein Gyre- beziehungsweise Crossflow-System kann für bestimmte Aquarien Vorteile haben, während eine klassische Propellerpumpe flexibler ausgerichtet werden kann.
Sind drehbare Strömungspumpen besser als feste Pumpen?
Nicht grundsätzlich. Der Vorteil liegt in der veränderbaren Strömungsrichtung. Ob das sinnvoll ist, hängt vom Riffaufbau und dem gewünschten Strömungsbild ab.
Ist Closed Loop für jedes Meerwasseraquarium geeignet?
Nein. Das System muss bereits bei der Planung berücksichtigt werden und ist deutlich weniger flexibel nachzurüsten als eine magnetisch befestigte Strömungspumpe.
Welche Strömungspumpe eignet sich für ein langes Aquarium?
Bei langen Aquarien kann ein Gyre- beziehungsweise Crossflow-System interessant sein. Alternativ können mehrere klassische Strömungspumpen eingesetzt werden.
Welche Strömung ist für SPS geeignet?
SPS profitieren häufig von einer kräftigen und dynamischen Wasserbewegung. Das konkrete Pumpenkonzept und die Einstellung müssen zum jeweiligen Riff passen. Die Details behandelt MW-104.
Wissenscheck
1. Was ist ein wesentliches Merkmal eines Crossflow-Systems?
A. Punktuelle Wasserbewegung
B. Großflächige Wasserbewegung
C. Keine Wasserbewegung
D. Ausschließlich Oberflächenbewegung
Richtige Antwort: B
2. Was verändert eine drehbare Strömungspumpe zusätzlich?
A. Die Wasserfarbe
B. Die Richtung der Strömung
C. Den Salzgehalt
D. Die Wassertemperatur
Richtige Antwort: B
3. Warum kann ein Gyre-System bei langen Aquarien interessant sein?
A. Es kann eine großräumige Wasserbewegung über die Beckenlänge erzeugen
B. Es benötigt kein Wasser
C. Es arbeitet ausschließlich nachts
D. Es ersetzt die Beleuchtung
Richtige Antwort: A
4. Was ist ein Closed Loop?
A. Ein Filtersystem
B. Ein externer Strömungskreislauf mit Ansaugung und Rückführung ins Aquarium
C. Eine Beleuchtungssteuerung
D. Ein Abschäumer
Richtige Antwort: B
5. Bedeutet eine höhere l/h-Leistung automatisch eine bessere Strömung?
A. Ja
B. Nein
C. Nur bei SPS
D. Nur bei großen Aquarien
Richtige Antwort: B
6. Was ist ein Vorteil einer klassischen Propellerpumpe?
A. Sie kann gezielt ausgerichtet werden
B. Sie benötigt keine Reinigung
C. Sie funktioniert ohne Strom
D. Sie erzeugt immer eine Gyre-Strömung
Richtige Antwort: A
7. Was verändert ein Wavemaker typischerweise?
A. Die Wasserbewegung beziehungsweise deren Intensität und zeitlichen Verlauf
B. Den Salzgehalt
C. Die Aquariengröße
D. Die Glasstärke
Richtige Antwort: A
8. Warum muss ein Closed Loop früh geplant werden?
A. Weil Rohrleitungen und Auslässe Bestandteil des Systems sind
B. Weil die Korallen das System steuern
C. Weil keine Pumpe benötigt wird
D. Weil das Aquarium nur nachts betrieben werden kann
Richtige Antwort: A
9. Was ist beim Vergleich verschiedener Strömungssysteme wichtiger als die reine l/h-Zahl?
A. Das tatsächliche Strömungsbild
B. Die Farbe der Pumpe
C. Die Verpackung
D. Der Herstellername allein
Richtige Antwort: A
10. Was sollte vor der Auswahl des konkreten Pumpenmodells feststehen?
A. Das gewünschte Strömungskonzept
B. Die Farbe des Aquariums
C. Die Korallenfarbe
D. Die Größe des Unterschranks
Richtige Antwort: A
