Lernziele

Nach diesem Artikel kannst du:

  • typische Symptome erkrankter oder geschädigter Korallen einordnen,
  • zwischen Krankheit, Stress, Schädlingen und Umweltproblemen unterscheiden,
  • einschätzen, welche Beobachtungen bei der Diagnose besonders wichtig sind,
  • bei plötzlich auftretenden Veränderungen systematisch vorgehen,
  • entscheiden, wann ein Spezialartikel zu einem bestimmten Schadbild sinnvoll ist.

Warum eine auffällige Koralle nicht automatisch krank ist

Eine Koralle mit eingezogenen Polypen, Farbverlust oder sichtbarem Gewebeverlust wirkt auf den ersten Blick schnell „krank“. Das Erscheinungsbild allein reicht jedoch häufig nicht für eine eindeutige Diagnose.

Korallen reagieren empfindlich auf Veränderungen ihrer Umgebung. Licht, Strömung, Temperatur, Salinität, Karbonathärte (KH), Nährstoffversorgung, Konkurrenz durch Nachbarkorallen oder Verletzungen können ähnliche Symptome verursachen wie ein tatsächliches Krankheitsgeschehen.

Auch Schädlinge können ein ähnliches Bild erzeugen. Fraßschäden, Gewebeverlust und dauerhaft eingezogene Polypen können beispielsweise sowohl bei einem Schädlingsbefall als auch bei ungünstigen Haltungsbedingungen auftreten. Die vorhandene Übersicht zu Schädlingen im Meerwasseraquarium behandelt diese Problemgruppe ausführlicher.

Die wichtigste Regel lautet deshalb:

Erst beobachten und eingrenzen, dann gezielt handeln.

Farbenfrohe Euphyllia in der Strömung
bugatti LPS in prächtigen Farben
Acropora mit geöffneten polypen im Aquarium

Krankheit, Stress, Schädling oder Umweltproblem?

Eine sinnvolle Diagnose beginnt nicht mit einem Medikament oder Korallenbad, sondern mit der Frage: Welche Kategorie passt am wahrscheinlichsten zum beobachteten Problem?

Krankheit oder infektiöses Geschehen

Bestimmte Schadbilder werden in der Meerwasseraquaristik als Krankheiten oder krankhafte Gewebeveränderungen bezeichnet. Dazu gehören beispielsweise Brown Jelly sowie verschiedene Formen von Gewebeverlust.

Wichtig ist jedoch die genaue Einordnung. Begriffe wie RTN und STN beschreiben vor allem das Erscheinungsbild beziehungsweise die Geschwindigkeit eines Gewebeverlusts und sollten nicht automatisch als eindeutige Erklärung für dessen Ursache verwendet werden. Auch aktuelle Fachinformationen weisen darauf hin, dass Gewebeverlust unterschiedliche Auslöser haben kann.

Stress oder ungeeignete Haltungsbedingungen

Eine Koralle kann bereits deutlich reagieren, bevor Gewebe verloren geht.

Mögliche Auslöser sind beispielsweise:

  • starke oder plötzliche Veränderungen der Beleuchtung,
  • ungeeignete Strömung,
  • Schwankungen wichtiger Wasserparameter,
  • Temperaturveränderungen,
  • ungeeigneter Standort,
  • Konkurrenz oder Vernesselung durch andere Korallen,
  • Eingewöhnungsstress nach dem Einsetzen.

Ein einzelnes Symptom wie eingezogene Polypen reicht deshalb nicht aus, um eine Krankheit festzustellen.

Schädlinge

Schädlinge können Korallengewebe direkt schädigen oder die Korallenoberfläche beeinträchtigen. Hinweise können Fraßspuren, ungewöhnliche Tiere, Eigelege oder wiederkehrende Schäden an bestimmten Korallen sein.

Bei einem konkreten Verdacht sollte die Koralle von allen Seiten kontrolliert werden – einschließlich Unterseite, Ablegerstein und schwer einsehbarer Bereiche.

Weiterführend: MW-261 – Korallenplagen im Meerwasseraquarium
Weiterführend: MW-262 – Strudelwürmer an Korallen
Weiterführend: MW-263 – Acropora-Strudelwürmer (AEFW)

Mechanische oder chemische Schäden

Auch eine Verletzung kann wie eine Krankheit aussehen.

Mögliche Ursachen sind:

  • Umfallen oder Verschieben der Koralle,
  • Kontakt mit anderem Korallengewebe,
  • zu starke oder ungünstig gerichtete Strömung,
  • Beschädigung beim Transport,
  • Kontakt mit ungeeigneten Materialien,
  • chemische Belastungen.

Deshalb ist die Frage wichtig, wann das Problem begonnen hat und was sich unmittelbar davor verändert hat.

Entscheidungsbaum zur Unterscheidung von Korallenkrankheit, Stress, Schädling und Umweltproblem

Ein ähnliches Symptom kann verschiedene Ursachen haben. Die Diagnose beginnt deshalb mit der Unterscheidung zwischen Haltungsproblem, Verletzung, Schädling und krankhaftem Gewebeverlust.]

Typische Symptome bei Korallen richtig einordnen

Farbverlust und blasse Korallen

Wenn eine Koralle ihre normale Färbung verliert, kann das verschiedene Ursachen haben.

Eine blasser werdende Koralle sollte deshalb nicht automatisch als krank betrachtet werden. Beleuchtung, Temperatur, Nährstoffsituation und andere Umweltbedingungen müssen zunächst berücksichtigt werden.

Auch das Ausmaß des Farbverlusts ist wichtig: Ist nur ein kleiner Bereich betroffen oder die gesamte Kolonie?

Bei einer weißen Koralle sollte außerdem unterschieden werden, ob tatsächlich Gewebe verloren gegangen ist oder ob das Gewebe noch vorhanden, aber stark aufgehellt ist.

Koralle wird weiß

Eine weiße oder stark aufgehellte Koralle kann ein Hinweis auf Bleaching sein. Beim Bleaching gehen die symbiotischen Algen im Korallengewebe zurück beziehungsweise verloren, wodurch die Koralle deutlich blasser erscheint.

Das Erscheinungsbild darf jedoch nicht mit freiliegendem Kalkskelett verwechselt werden.

Bleiche Gewebeoberfläche: Das Gewebe kann noch vorhanden sein.

Freiliegendes Skelett: Hier ist Gewebe bereits verloren gegangen.

Diese Unterscheidung ist für die weitere Diagnose entscheidend.

Eingezogene oder dauerhaft geschlossene Polypen

Geschlossene Polypen sind eines der unspezifischsten Symptome überhaupt.

Eine Koralle kann kurzfristig auf:

  • Veränderungen im Aquarium,
  • starke Strömung,
  • Berührung,
  • Transport,
  • Fütterung,
  • Lichtveränderungen,
  • Nachbarkorallen

reagieren.

Problematisch wird es vor allem dann, wenn die Polypen über längere Zeit eingezogen bleiben und weitere Symptome hinzukommen.

Deshalb sollte nicht nur das Aussehen zu einem bestimmten Zeitpunkt betrachtet werden, sondern der Verlauf über mehrere Stunden oder Tage.

Koralle verliert Gewebe

Gewebeverlust gehört zu den wichtigsten Warnzeichen bei Korallen.

Dabei sollte zunächst festgestellt werden:

  • Wo beginnt der Gewebeverlust?
  • Wie schnell breitet er sich aus?
  • Ist das Skelett darunter sauber oder verändert?
  • Betrifft der Verlust einzelne Stellen oder die gesamte Kolonie?
  • Sind weitere Korallen betroffen?
  • Gibt es Schleim oder andere auffällige Beläge?
  • Sind Fraßspuren oder Tiere sichtbar?

Besonders schnell fortschreitender Gewebeverlust sollte nicht über mehrere Tage unbeobachtet bleiben. Bei solchen Situationen empfehlen aktuelle Fachinformationen, unmittelbar die grundlegenden Haltungsbedingungen zu überprüfen und den Verlauf zu dokumentieren.

Schleimige oder braune Beläge

Ein brauner, schleimiger Belag kann bei verschiedenen Problemen auftreten und sollte nicht allein anhand seiner Farbe diagnostiziert werden.

Brown Jelly ist ein besonders bekanntes Beispiel. Das Erscheinungsbild umfasst typischerweise braunes bis bräunlich-graues, schleimiges Material in Verbindung mit Gewebezerfall.

Fraßspuren und Eigelege

Deutliche Fraßstellen, ungewöhnliche Tiere oder Eigelege sprechen eher für einen möglichen Schädlingsbefall als für ein reines Wasserwertproblem.

Dabei sollte möglichst genau dokumentiert werden, welche Korallenart betroffen ist. Spezialisierte Schädlinge können bestimmte Korallengruppen bevorzugen.

Das ist besonders bei Acropora wichtig, da Acropora-Strudelwürmer ein eigenes Spezialthema darstellen.

Weiterführend: MW-263 – Acropora-Strudelwürmer (AEFW)

Warum ein Symptom mehrere Ursachen haben kann

Eine der häufigsten Fehlerquellen bei der Korallendiagnose ist die Gleichsetzung von Symptom und Ursache.

Beispiel:

Symptom: Koralle wird blass.

Mögliche Erklärungen können unter anderem sein:

  • Veränderung der Beleuchtung,
  • Temperaturstress,
  • Veränderungen der Wasserchemie,
  • Eingewöhnung,
  • Gewebeschädigung,
  • tatsächlicher Krankheitsprozess.

Ein zweites Beispiel:

Symptom: Gewebeverlust.

Mögliche Ursachen können sein:

  • mechanische Verletzung,
  • Vernesselung,
  • Schädling,
  • akuter Gewebeverlust,
  • Brown Jelly,
  • ungünstige Umweltbedingungen.

Deshalb ist die Diagnose immer eine Kombination aus Symptom + Verlauf + betroffener Korallenart + Aquariumssituation.

Gewebeverlust an einer Steinkoralle mit sichtbarem freiliegendem Kalkskelett Titel: Gewebeverlust als Warnsignal

 Freiliegendes Kalkskelett zeigt, dass Gewebe verloren gegangen ist; für die Ursachenbestimmung müssen Verlauf und weitere Begleiterscheinungen untersucht werden.

Was sollte man bei einer auffälligen Koralle zuerst kontrollieren?

Bei einer plötzlich veränderten Koralle ist ein systematisches Vorgehen sinnvoll.

1. Koralle genau ansehen

Nicht nur die sichtbare Oberseite kontrollieren.

Achte auf:

  • Gewebeveränderungen,
  • kahle Stellen,
  • Fraßspuren,
  • Eigelege,
  • Schleim,
  • ungewöhnliche Tiere,
  • Veränderungen am Fuß,
  • Veränderungen auf der Unterseite.

2. Verlauf feststellen

Notiere möglichst:

  • Wann wurde die Veränderung erstmals bemerkt?
  • Wird sie größer?
  • Wie schnell verändert sie sich?
  • Betrifft sie nur eine Stelle?
  • Sind andere Korallen ebenfalls betroffen?

Ein Foto vom Ausgangszustand ist besonders hilfreich.

3. Wasserwerte überprüfen

Bei mehreren gleichzeitig auffälligen Korallen sollte die Wasserchemie besonders berücksichtigt werden.

Zu den regelmäßig kontrollierten Parametern gehören unter anderem:

  • Temperatur,
  • Salinität,
  • KH,
  • Calcium,
  • Magnesium,
  • Nitrat,
  • Phosphat.

Dabei gilt: Nicht auf Verdacht mehrere Werte gleichzeitig stark verändern.

Ein aktueller Wert ist außerdem weniger aussagekräftig als ein dokumentierter Verlauf, wenn sich ein Parameter bereits über längere Zeit verändert hat.

4. Beleuchtung und Strömung prüfen

Frage dich:

  • Wurde die Beleuchtung kürzlich verändert?
  • Wurde eine Koralle umgesetzt?
  • Hat sich die Strömung verändert?
  • Ist die Koralle plötzlich einer stärkeren Strömung ausgesetzt?
  • Wird Gewebe mechanisch bewegt oder beschädigt?

Gerade bei neuen Korallen oder Veränderungen am System kann die Ursache außerhalb der Wasserchemie liegen.

5. Nachbarn kontrollieren

Korallen können sich gegenseitig schädigen.

Prüfe:

  • Abstand zu anderen Korallen,
  • Kontaktstellen,
  • mögliche Kampftentakel,
  • Schleim oder Gewebe von Nachbarkorallen,
  • Veränderungen durch Wachstum.

6. Auf Schädlinge untersuchen

Wenn das Schadbild zu einem Befall passen könnte, sollte die Koralle bei guter Beleuchtung und möglichst auch nach dem Abschalten der Aquarienbeleuchtung kontrolliert werden.

Systematische Checkliste zur Untersuchung einer auffälligen Koralle im Meerwasseraquarium

Eine strukturierte Kontrolle von Koralle, Wasserwerten, Beleuchtung, Strömung, Nachbarkorallen und möglichen Schädlingen reduziert das Risiko einer vorschnellen Fehldiagnose.

Was tun bei mehreren gleichzeitig auffälligen Korallen?

Wenn mehrere unterschiedliche Korallen innerhalb kurzer Zeit Veränderungen zeigen, sollte zunächst das gesamte System betrachtet werden.

Das gilt besonders, wenn:

  • mehrere Korallenarten betroffen sind,
  • gleichzeitig Polypen eingezogen werden,
  • mehrere Tiere Farbverlust zeigen,
  • Veränderungen kurz nach einer technischen oder chemischen Änderung auftreten.

Dann sollte die Ursachenanalyse zunächst auf gemeinsame Faktoren konzentriert werden.

Dazu gehören Wasserchemie, Temperatur, Salinität, Beleuchtung, Strömung und Veränderungen am Versorgungssystem.

Eine ICP-Analyse kann bei unklaren Problemen zusätzliche Informationen über zahlreiche Elemente und mögliche Belastungen liefern. Sie ersetzt jedoch nicht die regelmäßigen Kontrollen von KH, Nitrat, Phosphat, Temperatur und Salinität. Das entspricht auch der bestehenden MW-088-Systematik zur ICP-Analyse.

Was tun, wenn nur eine Koralle betroffen ist?

Wenn nur eine einzelne Koralle auffällig ist, lohnt sich zunächst eine besonders genaue lokale Untersuchung.

Prüfe:

  1. Standort und Strömung.
  2. Beleuchtungsbedingungen.
  3. Kontakt zu anderen Korallen.
  4. Verletzungen.
  5. Ablegerstein und Unterseite.
  6. mögliche Schädlinge.
  7. Veränderungen unmittelbar vor Auftreten des Symptoms.

Diese Vorgehensweise verhindert, dass wegen eines einzelnen auffälligen Tieres gleich das komplette Aquarium verändert wird.

Wann sollte schnell gehandelt werden?

Nicht jedes ungewöhnliche Erscheinungsbild ist ein Notfall. Bei schnell fortschreitendem Gewebeverlust sollte die Situation jedoch zeitnah untersucht werden.

Besonders aufmerksam solltest du werden, wenn:

  • innerhalb kurzer Zeit deutlich mehr Skelett sichtbar wird,
  • Gewebe sichtbar zerfällt,
  • schleimige Gewebemassen auftreten,
  • mehrere Bereiche gleichzeitig betroffen sind,
  • weitere Korallen ähnliche Symptome zeigen.

Bei einem schnell fortschreitenden Schadbild ist es sinnvoll, zunächst die Situation zu dokumentieren und die wichtigsten Haltungsparameter zu überprüfen, statt mehrere unterschiedliche Behandlungsmethoden gleichzeitig einzusetzen.

Häufige Fehler bei der Diagnose

Jede geschlossene Koralle als krank betrachten

Geschlossene Polypen sind unspezifisch. Entscheidend sind Dauer, Begleitsymptome und Verlauf.

Jeden Farbverlust als Krankheit interpretieren

Farbverlust kann verschiedene Ursachen haben und muss zusammen mit Beleuchtung, Wasserchemie und Gewebezustand bewertet werden.

RTN oder STN als konkrete Ursache verstehen

RTN und STN beschreiben Formen beziehungsweise Geschwindigkeiten des Gewebeverlusts. Die Bezeichnung allein erklärt nicht automatisch, warum die Koralle geschädigt wurde.

Auf Verdacht mehrere Mittel einsetzen

Wenn gleichzeitig Wasserwerte verändert, Medikamente eingesetzt, Korallen gebadet und die Beleuchtung umgestellt werden, ist anschließend kaum noch nachvollziehbar, welche Maßnahme welchen Effekt hatte.

Nur die Oberseite der Koralle kontrollieren

Viele Schädlinge oder Eigelege befinden sich an schwer einsehbaren Stellen. Eine vollständige Sichtkontrolle ist deshalb wichtig.

Ein Foto nicht als Dokumentation nutzen

Ein Foto vom gesunden Zustand und regelmäßige Vergleichsbilder können bei der Beurteilung des Verlaufs sehr hilfreich sein.

Korallenprobleme vorbeugen

Eine absolute Sicherheit gibt es in einem biologischen System nicht. Einige Maßnahmen reduzieren jedoch das Risiko unnötiger Probleme.

Dazu gehören:

  • stabile Wasserwerte,
  • regelmäßige Kontrolle wichtiger Parameter,
  • passende Beleuchtung,
  • geeignete Strömung,
  • ausreichender Abstand zwischen Korallen,
  • sorgfältige Eingewöhnung neuer Tiere,
  • Kontrolle neuer Korallen auf Schädlinge,
  • gegebenenfalls Quarantäne,
  • Dokumentation von Veränderungen.

Besonders wichtig ist die Konstanz. Ein Aquarium muss nicht bei jeder Messung exakt denselben Wert zeigen. Größere oder schnelle Veränderungen sollten jedoch erkannt und ihre Ursache verstanden werden.

Welche Wasserwerte sollte man bei Korallenproblemen prüfen?

Bei einem auffälligen Korallenbestand sollte nicht blind jeder denkbare Parameter korrigiert werden.

Für die erste Kontrolle sind insbesondere relevant:

Parameter Warum kontrollieren?
Temperatur Veränderungen können Korallen deutlich belasten
Salinität Beeinflusst die gesamte Wasserchemie
KH Besonders relevant für die Stabilität der Karbonathärte
Calcium Wichtig für die Kalkskelettbildung
Magnesium Bestandteil der Meerwasserchemie und relevant für das Kalksystem
Nitrat Bestandteil der Nährstoffversorgung
Phosphat Ebenfalls wichtiger Nährstoffparameter

Für KH, Calcium und Magnesium gibt es im Shop beispielsweise den Korallenwächter, der diese drei Parameter automatisiert messen kann.

Wichtig: Ein Messgerät oder Wassertest ersetzt keine Ursachenanalyse. Er liefert einen Baustein für die Diagnose.

Wann ist eine ICP-Analyse sinnvoll?

Eine ICP-Analyse kann insbesondere dann interessant werden, wenn:

  • wiederholt Korallenprobleme auftreten,
  • die üblichen Wasserwerte plausibel erscheinen,
  • Farbverlust oder schlechtes Wachstum nicht erklärt werden können,
  • ein Verdacht auf unerwünschte Elemente besteht,
  • die Entwicklung des Systems umfassender dokumentiert werden soll.

Sie sollte als Ergänzung zu den regelmäßigen Aquarienmessungen verstanden werden und nicht als Ersatz für die tägliche beziehungsweise regelmäßige Kontrolle wichtiger Basisparameter.

Weiterführend: MW-088 – ICP-Analysen verstehen und richtig handeln

Ein einfacher Diagnoseablauf für die Praxis

Wenn eine Koralle plötzlich auffällig wird, kann dieser Ablauf helfen:

Koralle auffällig → Symptom dokumentieren → Verlauf prüfen → Wasserwerte kontrollieren → Licht und Strömung prüfen → Nachbarkorallen kontrollieren → auf Schädlinge untersuchen → Ursache eingrenzen → gezielte Maßnahme wählen → Verlauf dokumentieren

Der entscheidende Punkt ist die Reihenfolge.

Nicht:

Symptom → irgendein Mittel

sondern:

Symptom → Diagnose → Ursache → passende Maßnahme

Das reduziert unnötige Eingriffe und macht später nachvollziehbar, welche Veränderung tatsächlich geholfen hat.

Ablauf zur systematischen Diagnose eines Korallenproblems vom ersten Symptom bis zur gezielten Maßnahme

Eine strukturierte Diagnose beginnt mit Beobachtung und Dokumentation und führt erst nach der Ursachenanalyse zu einer konkreten Maßnahme.

Weiterführende Artikel

Wenn das konkrete Schadbild bereits eingegrenzt wurde, sollte die Diagnose in einem passenden Spezialartikel vertieft werden:

Damit bleibt MW-255 die diagnostische Einstiegsseite, während die nachfolgenden Artikel jeweils nur ein konkretes Problem vertiefen.

FAQ zu Korallenkrankheiten

Woran erkenne ich, ob meine Koralle krank ist?

Ein einzelnes Symptom reicht meist nicht aus. Entscheidend sind Symptom, Verlauf, betroffene Korallenart und die Bedingungen im Aquarium. Besonders relevant sind Gewebeverlust, ungewöhnliche Beläge, anhaltender Farbverlust oder zusätzliche Auffälligkeiten.

Warum sind die Polypen meiner Koralle geschlossen?

Geschlossene Polypen können durch Stress, Strömung, Lichtveränderungen, Transport, Nachbarkorallen oder andere Faktoren verursacht werden. Erst wenn das Symptom anhält oder weitere Veränderungen auftreten, sollte gezielter nach der Ursache gesucht werden.

Warum wird meine Koralle weiß?

Eine Koralle kann durch Bleaching stark aufhellen. Weißes Erscheinungsbild kann aber auch durch verlorenes Gewebe und dadurch sichtbares Kalkskelett entstehen. Diese beiden Situationen müssen unterschieden werden.

Was bedeutet Gewebeverlust bei Korallen?

Gewebeverlust bedeutet, dass an einer Stelle der Koralle kein intaktes Gewebe mehr vorhanden ist und das Kalkskelett sichtbar wird. Die Ursache kann unterschiedlich sein und sollte anhand von Geschwindigkeit, Aussehen und Begleitumständen eingegrenzt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Krankheit und Korallenstress?

Stress beschreibt zunächst eine Belastungssituation. Eine Krankheit beziehungsweise ein krankhaftes Geschehen ist eine mögliche Ursache für bestimmte Symptome. In der Praxis können sich die Erscheinungsbilder überschneiden, weshalb eine Diagnose nicht nur anhand eines einzelnen Symptoms erfolgen sollte.

Wann sollte ich die Wasserwerte kontrollieren?

Bei einer plötzlich auffälligen Koralle sollten die wichtigsten Basisparameter zeitnah kontrolliert werden. Dazu gehören insbesondere Temperatur, Salinität, KH, Calcium, Magnesium, Nitrat und Phosphat.

Was tun, wenn mehrere Korallen gleichzeitig Probleme bekommen?

Dann sollte das gesamte Aquarium betrachtet werden. Gemeinsame Faktoren wie Wasserchemie, Temperatur, Beleuchtung, Strömung oder Veränderungen am Versorgungssystem sind besonders relevant.

Sollte ich eine kranke Koralle sofort behandeln?

Nicht grundsätzlich. Eine Behandlung auf Verdacht kann die Situation erschweren, wenn die Ursache gar nicht bekannt ist. Zunächst sollte das Schadbild dokumentiert und möglichst eindeutig eingegrenzt werden.

Wann ist eine ICP-Analyse sinnvoll?

Eine ICP-Analyse kann sinnvoll sein, wenn Korallenprobleme wiederholt auftreten oder trotz plausibler Basiswerte keine Ursache gefunden wird. Sie ergänzt die regelmäßigen Messungen im Aquarium und ersetzt diese nicht.

Können Schädlinge ähnliche Symptome wie Krankheiten verursachen?

Ja. Fraßschäden, Gewebeverlust oder eingezogene Polypen können sowohl durch Schädlinge als auch durch andere Probleme entstehen. Deshalb sollte eine auffällige Koralle auch auf Tiere und Eigelege untersucht werden.

Wissenscheck: Korallenkrankheiten richtig erkennen

1. Was ist bei einer auffälligen Koralle der sinnvollste erste Schritt?

A) Sofort ein Medikament dosieren
B) Die Beleuchtung komplett ausschalten
C) Symptom und Verlauf genau beobachten und dokumentieren
D) Das gesamte Aquarium behandeln

Richtige Antwort: C

2. Was bedeutet eine weiße Stelle mit freiliegendem Kalkskelett?

A) Dort ist besonders viel Zooxanthellen vorhanden
B) Dort ist Gewebe verloren gegangen
C) Dort wächst die Koralle besonders schnell
D) Es handelt sich immer um einen Parasiten

Richtige Antwort: B

3. Sind dauerhaft geschlossene Polypen automatisch ein Beweis für eine Krankheit?

A) Ja
B) Nur bei SPS
C) Nur bei LPS
D) Nein

Richtige Antwort: D

4. Welche Information ist bei Gewebeverlust besonders wichtig?

A) Nur die Farbe der Koralle
B) Die Geschwindigkeit und der Verlauf des Gewebeverlusts
C) Nur die Größe des Aquariums
D) Nur die Marke der Beleuchtung

Richtige Antwort: B

5. Was sollte bei mehreren gleichzeitig betroffenen Korallen besonders geprüft werden?

A) Nur die betroffene Koralle
B) Nur die Strömungspumpe
C) Gemeinsame Faktoren des gesamten Aquariums
D) Nur die Fütterung

Richtige Antwort: C

6. Warum sollte eine Koralle auch an der Unterseite kontrolliert werden?

A) Dort befinden sich grundsätzlich die meisten Zooxanthellen
B) Dort können Schädlinge oder Eigelege verborgen sein
C) Dort ist die Temperatur immer höher
D) Dort lässt sich die KH messen

Richtige Antwort: B

7. Was beschreiben RTN und STN grundsätzlich?

A) Ausschließlich die Wasserhärte
B) Formen beziehungsweise Geschwindigkeiten von Gewebeverlust
C) Einen bestimmten Wassertest
D) Eine bestimmte Korallenart

Richtige Antwort: B

8. Was ist bei der Ursachenanalyse problematisch?

A) Veränderungen zu dokumentieren
B) Wasserwerte zu kontrollieren
C) Mehrere Maßnahmen gleichzeitig auf Verdacht durchzuführen
D) Fotos vom Verlauf zu machen

Richtige Antwort: C

9. Was kann eine ICP-Analyse leisten?

A) Sie ersetzt alle regelmäßigen Wassertests
B) Sie diagnostiziert jede Korallenkrankheit eindeutig
C) Sie liefert zusätzliche Informationen über zahlreiche Elemente im Wasser
D) Sie bestimmt automatisch jeden Korallenschädling

Richtige Antwort: C

10. Welche Reihenfolge ist bei einem Korallenproblem sinnvoll?

A) Mittel einsetzen → Ursache suchen → Symptom dokumentieren
B) Symptom beobachten → Ursache eingrenzen → gezielt handeln
C) Wasserwerte verändern → Koralle umsetzen → später beobachten
D) Koralle entfernen → Beleuchtung verändern → Wasserwerte ignorieren

Richtige Antwort: B