MW-256 – Brown Jelly Disease – Ursachen, Symptome und Maßnahmen
Lernziele
Nach diesem Artikel kannst du:
- Brown Jelly Disease anhand typischer Symptome besser erkennen,
- Brown Jelly von gewöhnlichem Schleim, Verletzungen und anderem Gewebeverlust unterscheiden,
- mögliche Auslöser und begünstigende Faktoren einordnen,
- bei einem Verdacht schnell und strukturiert reagieren,
- die betroffene Koralle sinnvoll isolieren und versorgen,
- typische Fehler bei der Behandlung vermeiden.
Was ist Brown Jelly Disease?
Brown Jelly Disease, häufig auch als Brown Jelly Syndrome bezeichnet, beschreibt ein schnell fortschreitendes Schadbild bei Korallen, bei dem Gewebe zerfällt und sich eine braune, gelatinöse bis schleimige Masse bildet.
Besonders häufig wird das Problem in der Meerwasseraquaristik bei großpolypigen Steinkorallen beobachtet, insbesondere bei Korallen aus der Familie der Euphylliidae. Aktuelle Fachliteratur beschreibt Brown Jelly Syndrome als Gewebeverlust mit einer charakteristischen braunen, schleimigen Masse und einem häufig schnellen Fortschreiten.
Wichtig ist jedoch eine fachliche Einschränkung: Brown Jelly ist nicht einfach mit einem einzelnen eindeutig identifizierten Erreger gleichzusetzen. Bei betroffenen Korallen wurden Ciliaten regelmäßig beobachtet. Untersuchungen fanden jedoch nicht durchgehend einen einzelnen dominierenden bakteriellen Erreger. Die genaue Rolle der beteiligten Mikroorganismen ist deshalb komplexer, als es die Bezeichnung „Infektion“ zunächst vermuten lässt.
Für die Aquarienpraxis ist deshalb weniger entscheidend, den exakten Mikroorganismus zu bestimmen. Entscheidend ist, das typische Schadbild früh zu erkennen und eine weitere Ausbreitung beziehungsweise weiteren Gewebeverlust möglichst schnell zu begrenzen.
Typisches Erscheinungsbild
Häufig beginnt die Veränderung mit einer lokal begrenzten Gewebeschädigung. Anschließend kann sich das Gewebe auflösen und eine braune, schleimige Masse entstehen.
Typische Beobachtungen sind:
- brauner bis bräunlich-grauer Schleim,
- gelatinöse Masse auf dem Korallengewebe,
- sichtbar zerfallendes Gewebe,
- schnell größer werdende geschädigte Bereiche,
- freiliegendes Kalkskelett,
- stark reduzierte oder vollständig eingestellte Polypenexpansion,
- teilweise auffälliger Schleim im unmittelbaren Umfeld.
Das Schadbild kann sich bei betroffenen Korallen schnell entwickeln. In der aktuellen Coral-Pathology-Dokumentation wird Brown Jelly Syndrome als Gewebeverlust mit einem sich schnell ausbreitenden, bandartigen Bereich beschrieben.
Warum entsteht Brown Jelly?
Die Entstehung von Brown Jelly sollte nicht zu stark vereinfacht werden.
Ein häufiger Ausgangspunkt ist eine geschädigte oder bereits gestresste Koralle. Verletzungen, schlechte Haltungsbedingungen oder andere Belastungen können die Widerstandsfähigkeit des Gewebes reduzieren. Auf dem geschädigten Gewebe können sich anschließend Mikroorganismen stark vermehren.
Bei Brown Jelly wurden insbesondere Ciliaten mit dem betroffenen Gewebe in Verbindung gebracht. Eine Untersuchung von Aquariumkorallen fand einen bestimmten Ciliaten-Typ deutlich häufiger bei Brown Jelly als bei gesunden Korallen. Gleichzeitig ließ sich kein einzelner dominanter bakterieller Erreger nachweisen.
Das bedeutet für die Praxis:
Nicht nur das sichtbare Brown Jelly behandeln. Auch der mögliche Auslöser der ursprünglichen Gewebeschädigung muss gesucht werden.
Mögliche begünstigende Faktoren
Dazu können gehören:
- mechanische Beschädigungen,
- Verletzungen beim Transport oder Umsetzen,
- Kontakt mit anderen Korallen,
- Vernesselungen,
- ungünstige oder stark veränderte Strömung,
- starke Schwankungen wichtiger Wasserparameter,
- andere Stresssituationen,
- bereits geschwächtes oder geschädigtes Gewebe.
Nicht jede verletzte Koralle entwickelt Brown Jelly. Umgekehrt muss bei Brown Jelly nicht immer ein einzelner Auslöser nachweisbar sein.

Brauner, gelatinöser Schleim in Verbindung mit raschem Gewebezerfall ist ein typisches Warnzeichen für Brown Jelly; das Erscheinungsbild sollte jedoch zusammen mit Verlauf und vorausgegangener Gewebeschädigung bewertet werden.
Brown Jelly erkennen: Welche Symptome sind typisch?
Das entscheidende Merkmal ist nicht allein die braune Farbe.
Brauner Schleim kann auch bei anderen Problemen entstehen. Deshalb sollte immer geprüft werden, ob gleichzeitig Gewebe zerfällt und sich der Schaden schnell ausbreitet.
Brauner, gelatinöser Schleim
Der auffällige braune Schleim ist das namensgebende Merkmal.
Die Masse kann:
- direkt auf dem Korallengewebe liegen,
- sich über bereits geschädigte Bereiche ausbreiten,
- teilweise wie eine dünne Schleimhaut wirken,
- größere Teile eines Polypen bedecken.
Die braune Färbung kann unter anderem mit dem Zerfall von Gewebe und den darin enthaltenen symbiotischen Algen zusammenhängen.
Schneller Gewebeverlust
Besonders kritisch ist die Geschwindigkeit.
Wenn innerhalb kurzer Zeit deutlich mehr Kalkskelett sichtbar wird, sollte nicht einfach abgewartet werden.
Dabei sollte dokumentiert werden:
- Wo begann der Gewebeverlust?
- Wie groß war die betroffene Stelle zunächst?
- Wie schnell verändert sie sich?
- Sind weitere Polypen betroffen?
- Sind Nachbarkorallen ebenfalls auffällig?
Eingezogene oder kollabierte Polypen
Bei stark geschädigtem Gewebe verliert die Koralle ihre normale Expansion.
Dieses Symptom allein ist allerdings kein Beweis für Brown Jelly. Eingezogene Polypen können viele Ursachen haben.
Erst die Kombination aus:
Gewebezerfall + braunem Schleim + schnellem Fortschreiten
macht Brown Jelly zu einem konkreten Verdacht.
Brown Jelly oder etwas anderes?
Die Abgrenzung ist entscheidend.
Brown Jelly versus normale Schleimproduktion
Korallen produzieren grundsätzlich Schleim. Eine kurzfristige Schleimschicht bedeutet deshalb nicht automatisch Brown Jelly.
Verdächtiger wird die Situation, wenn:
- Gewebe sichtbar zerfällt,
- der Schleim braun und gelatinös wirkt,
- das Kalkskelett zunehmend freiliegt,
- der betroffene Bereich größer wird.
Brown Jelly versus mechanische Verletzung
Eine Verletzung kann ebenfalls zu freiliegendem Skelett führen.
Bei einer rein mechanischen Verletzung fehlt jedoch zunächst möglicherweise die typische braune, gelatinöse Masse. Deshalb sollte geprüft werden, ob die Koralle kurz zuvor:
- umgefallen ist,
- umgesetzt wurde,
- mit einer anderen Koralle Kontakt hatte,
- beim Transport beschädigt wurde.
Eine Verletzung kann allerdings wiederum der Ausgangspunkt für ein späteres Brown-Jelly-Schadbild sein.
Brown Jelly versus RTN/STN
RTN und STN beschreiben Formen beziehungsweise Geschwindigkeiten des Gewebeverlusts und sind nicht automatisch eine konkrete Ursache.
Brown Jelly wird dagegen durch das charakteristische Zusammenspiel von Gewebezerfall und großer Schleimproduktion beschrieben. Auch bei Brown Jelly können Ciliaten beteiligt sein.
Für die Praxis gilt daher:
Nicht jeder schnelle Gewebeverlust ist Brown Jelly. Und nicht jeder braune Belag ist Brown Jelly.
Was tun bei Verdacht auf Brown Jelly?
Bei einem typischen und schnell fortschreitenden Schadbild sollte nicht mehrere Tage gewartet werden.
Der wichtigste Grundsatz lautet:
Betroffene Koralle sichern, Schadmaterial entfernen, weiteres Gewebe schützen und die Ursache suchen.
1. Koralle genau untersuchen
Kontrolliere zunächst die gesamte Koralle.
Achte auf:
- Beginn des Gewebeverlusts,
- braunen Schleim,
- bereits abgestorbenes Gewebe,
- freiliegendes Skelett,
- Verletzungen,
- Kontaktstellen zu anderen Korallen.
Fotografiere die Koralle vor der Behandlung. Dadurch kannst du später beurteilen, ob sich der Schaden tatsächlich weiter ausbreitet.
2. Betroffene Koralle möglichst separieren
Bei einem starken Verdacht sollte die Koralle möglichst nicht weiter im direkten Kontakt mit anderen Korallen bleiben.
Ideal ist ein separater Behälter mit Aquarienwasser beziehungsweise ein geeigneter Quarantänebereich.
Das hat zwei Vorteile:
- Die Behandlung kann kontrollierter erfolgen.
- Die Menge des potenziell kontaminierten Materials im Hauptbecken wird reduziert.
Historische Fachinformationen beschreiben Brown Jelly als schnell fortschreitendes und potenziell übertragbares Schadbild und empfehlen, betroffenes Gewebe beziehungsweise die schleimige Masse vor einer weiteren Behandlung möglichst zu entfernen.
3. Brown Jelly mechanisch entfernen
Das lose schleimige Material sollte nicht einfach auf der Koralle verbleiben.
In einem separaten Behälter kann das betroffene Material vorsichtig mit einer Pipette oder einer geeigneten Strömung entfernt werden.
Wichtig:
Nicht versuchen, die schleimige Masse im Display-Aquarium großflächig zu verteilen.
Die Entfernung sollte möglichst kontrolliert erfolgen.
4. Stark geschädigtes Gewebe entfernen
Wenn einzelne Bereiche bereits deutlich abgestorben sind, kann es sinnvoll sein, gesundes Gewebe von der stark geschädigten Zone zu trennen.
Das ist besonders bei verzweigten Korallen beziehungsweise fragmentierbaren Kolonien relevant.
Dabei gilt:
- sauberes Werkzeug verwenden,
- nur eindeutig geschädigte Bereiche entfernen,
- gesundes Gewebe möglichst weit vom Schadbereich erhalten,
- Werkzeug anschließend gründlich reinigen.
Bei weit fortgeschrittenem Gewebezerfall kann eine Rettung einzelner gesunder Bereiche sinnvoller sein als der Versuch, eine vollständig betroffene Kolonie unverändert zu erhalten.
5. Korallendip gezielt einsetzen
Ein geeignetes Korallenbad kann Teil einer Behandlung sein.
Dabei sollte ausschließlich ein Präparat verwendet werden, das für die jeweilige Koralle geeignet ist, und die Herstellerangaben müssen eingehalten werden. Verschiedene Korallendips werden speziell zur Reinigung von Gewebeverletzungen beziehungsweise zur Reduktion unerwünschter Mikroorganismen angeboten.
Ein Dip ersetzt jedoch nicht:
- die Entfernung stark geschädigten Gewebes,
- die Isolation,
- die Kontrolle der Haltungsbedingungen,
- die Beobachtung des weiteren Verlaufs.
6. Haltungsbedingungen überprüfen
Parallel zur Behandlung sollte die Ursache der ursprünglichen Schwächung gesucht werden.
Kontrolliere insbesondere:
- Temperatur,
- Salinität,
- KH,
- Calcium,
- Magnesium,
- Nitrat,
- Phosphat,
- Beleuchtung,
- Strömung.
Wichtig ist dabei nicht, sämtliche Werte auf Verdacht gleichzeitig zu verändern.
Eine hektische Veränderung mehrerer Parameter kann die Situation zusätzlich verschärfen und macht die Ursachenanalyse schwieriger.
Wie sollte die Koralle nach der Behandlung gehalten werden?
Nach der Entfernung des geschädigten Materials braucht die Koralle möglichst stabile Bedingungen.
Besonders wichtig sind:
- sauberes Wasser,
- ausreichende, aber nicht zerstörerische Strömung,
- passende Beleuchtung,
- kein direkter Kontakt zu aggressiven Nachbarkorallen,
- regelmäßige Kontrolle des Geweberandes.
Die Strömung sollte nicht so stark sein, dass gesundes Gewebe mechanisch belastet wird. Gleichzeitig sollte sich im Bereich der Koralle keine dauerhaft stehende Wasserschicht bilden.
Entscheidend ist der Verlauf.
Wenn der Gewebeverlust stoppt und sich die Koralle stabilisiert, ist das ein positives Zeichen. Wenn sich der geschädigte Bereich weiter ausdehnt, muss die Situation erneut bewertet werden.
Was sollte man bei mehreren betroffenen Korallen tun?
Wenn innerhalb kurzer Zeit mehrere Korallen ähnliche Symptome entwickeln, sollte nicht nur jede Koralle einzeln betrachtet werden.
Dann ist eine Systemanalyse besonders wichtig.
Prüfe:
- Gab es eine Veränderung der Wasserchemie?
- Wurde die Beleuchtung verändert?
- Hat sich die Strömung verändert?
- Gab es einen größeren Wasserwechsel oder eine andere technische Änderung?
- Sind mehrere Korallenarten betroffen?
- Gab es neue Tiere oder Korallen im Aquarium?
- Sind die betroffenen Korallen miteinander in Kontakt gekommen?
Mehrere gleichzeitig betroffene Korallen sprechen eher dafür, zusätzlich gemeinsame Umwelt- oder Haltungsfaktoren zu untersuchen.
Welche Rolle spielen Wasserwerte?
Wasserwerte sind bei Brown Jelly wichtig, aber sie erklären nicht automatisch das gesamte Schadbild.
Besonders relevant sind stabile Grundbedingungen.
Dazu gehören:
| Parameter | Warum kontrollieren? |
|---|---|
| Temperatur | Größere Veränderungen können Korallen belasten |
| Salinität | Beeinflusst die gesamte osmotische Situation |
| KH | Wichtig für die Stabilität des Meerwassersystems |
| Calcium | Relevant für die Kalkskelettbildung |
| Magnesium | Teil der Meerwasserchemie und Kalkhaushalt |
| Nitrat | Bestandteil der Nährstoffversorgung |
| Phosphat | Ebenfalls wichtiger Nährstoffparameter |
Entscheidend ist dabei nicht nur ein Einzelwert. Ein dokumentierter Verlauf kann wesentlich aussagekräftiger sein als eine einzelne Messung.
Brown Jelly sollte deshalb nicht mit einer einzigen Wasserwert-Korrektur „behandelt“ werden.
Kann Brown Jelly im Aquarium weitergegeben werden?
Brown Jelly wird in der Aquarienliteratur als potenziell schnell fortschreitendes und übertragbares Schadbild beschrieben. Gleichzeitig ist die genaue Krankheitsentstehung komplex und die Rolle einzelner Mikroorganismen nicht vollständig geklärt.
Deshalb ist Vorsicht sinnvoll.
Bei einem eindeutigen Verdacht sollten:
- betroffene Korallen möglichst separiert werden,
- Schleim und abgestorbenes Gewebe nicht unnötig im Aquarium verteilt werden,
- verwendete Werkzeuge nicht ungewaschen zwischen verschiedenen Korallen verwendet werden,
- gesunde Korallen nicht mit dem Behandlungswasser in Kontakt kommen.
Das bedeutet nicht, dass nach einem einzelnen Fall automatisch das gesamte Aquarium „infiziert“ ist. Es bedeutet lediglich, dass unnötige Verbreitung von Gewebe und Behandlungsmaterial vermieden werden sollte.
Antibiotika gegen Brown Jelly?
Antibiotika werden in verschiedenen Fach- und Aquarienquellen als mögliche Behandlungsmöglichkeiten diskutiert. Die Datenlage ist jedoch nicht so einfach, dass sich daraus eine allgemeingültige Dosierung für jedes Meerwasseraquarium ableiten lässt. Untersuchungen an Brown-Jelly-Fällen haben zudem keinen einzelnen dominierenden bakteriellen Erreger gezeigt.
Für die normale Aquarienpraxis sollte deshalb nicht nach dem Prinzip
„Brown Jelly = Antibiotikum“
vorgegangen werden.
Insbesondere eine unkontrollierte Antibiotikabehandlung im Display-Aquarium kann die biologische Stabilität des Systems beeinträchtigen.
Wenn überhaupt eine antibiotische Behandlung erwogen wird, sollte sie in einem geeigneten separaten Behandlungssetting und auf fachlich nachvollziehbarer Grundlage erfolgen.
Welche Fehler solltest du vermeiden?
Zu lange abwarten
Brown Jelly kann sich schnell entwickeln. Bei deutlichem Gewebezerfall sollte die Situation zeitnah untersucht werden.
Nur den braunen Schleim entfernen
Das Entfernen des sichtbaren Schleims allein löst die Ursache nicht. Geschädigtes Gewebe und die zugrunde liegende Belastung müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Die Koralle im Display behandeln und dabei alles aufwirbeln
Dadurch kann unnötig Material im Aquarium verteilt werden.
Gleichzeitig fünf verschiedene Maßnahmen durchführen
Wenn Wasserwerte verändert, Korallen gebadet, die Beleuchtung verstellt und die Strömung verändert werden, lässt sich später kaum feststellen, welche Maßnahme tatsächlich geholfen hat.
Brown Jelly mit jedem braunen Belag gleichsetzen
Brauner Schleim kann unterschiedliche Ursachen haben. Das typische Gesamtbild ist entscheidend.
Eine Verletzung ignorieren
Eine mechanische Beschädigung oder Vernesselung kann der Ausgangspunkt für nachfolgende Gewebeschäden sein.
Brown Jelly vorbeugen
Eine hundertprozentige Vorbeugung ist nicht möglich. Das Risiko lässt sich jedoch reduzieren.
Wichtig sind:
- stabile Wasserbedingungen,
- passende Strömung,
- sorgfältiger Transport und Umgang mit Korallen,
- ausreichend Abstand zwischen aggressiven Korallen,
- vorsichtiges Fragmentieren,
- Kontrolle neuer Korallen,
- bei Bedarf Quarantäne,
- Beobachtung nach dem Einsetzen,
- regelmäßige Dokumentation ungewöhnlicher Veränderungen.
Gerade bei LPS-Korallen sollte mechanische Beschädigung möglichst vermieden werden. Ein verletztes Gewebeareal sollte anschließend besonders aufmerksam beobachtet werden.
Ein einfacher Ablauf bei Brown Jelly
Bei einem verdächtigen Schadbild kann folgende Reihenfolge helfen:
Braunen Schleim und Gewebezerfall erkennen
↓
Koralle fotografieren und Verlauf dokumentieren
↓
Koralle möglichst separieren
↓
Schleim und eindeutig abgestorbenes Gewebe entfernen
↓
Geeignete Behandlung beziehungsweise Korallenbad nach Anleitung
↓
Stabile Wasserwerte, Licht und Strömung sicherstellen
↓
Geweberand täglich kontrollieren
↓
Bei weiterem Gewebeverlust erneut eingreifen und Ursache prüfen
Der entscheidende Punkt ist die Kombination aus schneller Reaktion und kontrolliertem Vorgehen.
Wann sollte ein Spezialartikel zu RTN/STN herangezogen werden?
Nicht jeder schnelle Gewebeverlust mit freiliegendem Skelett ist Brown Jelly.
Wenn kein typischer brauner, gelatinöser Schleim vorhanden ist, sollte auch an andere Formen des Gewebeverlusts gedacht werden.
Dafür ist MW-257 – RTN und STN bei SPS-Korallen – Gewebeverlust verstehen der passende Spezialartikel.
MW-256 bleibt dagegen auf das charakteristische Brown-Jelly-Schadbild konzentriert.
Weiterführende Artikel
Für die allgemeine Diagnose ist MW-255 – Korallenkrankheiten erkennen: Symptome richtig deuten der Einstieg.
Bei anderen Schadbildern sind insbesondere relevant:
- MW-257 – RTN und STN bei SPS-Korallen
- MW-259 – Korallenbleiche
- MW-260 – Korallenstress erkennen
- MW-261 – Korallenplagen im Meerwasseraquarium
Damit bleibt die Clusterstruktur sauber: MW-255 diagnostiziert allgemein, MW-256 vertieft Brown Jelly, MW-257 Gewebeverlust bei SPS und die folgenden Artikel behandeln weitere klar abgegrenzte Problemgruppen.
FAQ zu Brown Jelly Disease
Was ist Brown Jelly Disease?
Brown Jelly Disease beziehungsweise Brown Jelly Syndrome beschreibt ein schnell fortschreitendes Schadbild mit Gewebezerfall und braunem, gelatinösem Schleim. Besonders häufig wird es bei großpolypigen Steinkorallen beschrieben.
Wie sieht Brown Jelly aus?
Typisch sind brauner bis bräunlich-grauer Schleim, zerfallendes Gewebe und zunehmend freiliegendes Kalkskelett. Häufig breitet sich der betroffene Bereich relativ schnell aus.
Welche Korallen sind besonders betroffen?
Brown Jelly wird besonders häufig bei LPS-Korallen wie Euphyllia beschrieben. Auch andere Korallen können entsprechende Schadbilder entwickeln.
Ist Brown Jelly ansteckend?
Das Schadbild wird in der Aquarienliteratur als potenziell schnell fortschreitend und übertragbar beschrieben. Deshalb sollten betroffene Korallen möglichst separiert und Schleim sowie abgestorbenes Gewebe nicht unnötig im Aquarium verteilt werden.
Was verursacht Brown Jelly?
Die genaue Entstehung ist nicht vollständig geklärt. Ciliaten werden regelmäßig mit Brown Jelly in Verbindung gebracht. Häufig spielen zusätzlich vorgeschädigtes oder gestresstes Gewebe und andere Belastungen eine Rolle.
Ist jeder braune Schleim Brown Jelly?
Nein. Korallen können auch aus anderen Gründen Schleim produzieren. Entscheidend ist die Kombination aus braunem, gelatinösem Material, Gewebezerfall und einem entsprechenden Verlauf.
Sollte ich eine betroffene Koralle sofort entfernen?
Bei einem deutlichen und schnell fortschreitenden Brown-Jelly-Verdacht ist eine Separierung sinnvoll, um die Behandlung kontrollierter durchzuführen und unnötigen Kontakt zu anderen Korallen zu vermeiden.
Hilft ein Korallendip?
Ein geeignetes Korallenbad kann Bestandteil einer Behandlung sein. Es ersetzt jedoch nicht die Entfernung stark geschädigten Gewebes, die Isolation und die Kontrolle der zugrunde liegenden Bedingungen. Die Anwendung muss nach den Angaben des jeweiligen Präparats erfolgen.
Sollte ich Antibiotika einsetzen?
Nicht pauschal. Die Ursachen von Brown Jelly sind komplex, und Untersuchungen konnten keinen einzelnen dominierenden bakteriellen Erreger identifizieren. Eine unkontrollierte Antibiotikabehandlung im Display-Aquarium ist deshalb keine allgemeine Standardlösung.
Kann eine Koralle Brown Jelly überleben?
Ja, insbesondere wenn das Schadbild früh erkannt, betroffene Bereiche kontrolliert entfernt und die Koralle anschließend unter stabilen Bedingungen beobachtet wird. Die Erfolgsaussichten hängen stark vom Ausmaß und Fortschreiten des Gewebeverlusts ab.
Wissenscheck: Brown Jelly Disease richtig erkennen
1. Was ist das charakteristischste Merkmal von Brown Jelly?
A) Ausschließlich geschlossene Polypen
B) Brauner, gelatinöser Schleim zusammen mit Gewebezerfall
C) Ausschließlich weißes Kalkskelett
D) Verstärktes Wachstum
Richtige Antwort: B
2. Welche Korallengruppe wird besonders häufig mit Brown Jelly in Verbindung gebracht?
A) Euphylliidae und andere LPS-Korallen
B) Ausschließlich Zoanthus
C) Ausschließlich Kalkalgen
D) Ausschließlich Weichkorallen
Richtige Antwort: A
3. Ist Brown Jelly eindeutig auf einen einzigen Erreger zurückzuführen?
A) Ja, immer
B) Ja, ausschließlich auf Bakterien
C) Nein, die beteiligten Mikroorganismen und ihre genaue Rolle sind komplex
D) Ja, ausschließlich auf Pilze
Richtige Antwort: C
4. Was sollte bei einem deutlichen Brown-Jelly-Verdacht möglichst zuerst passieren?
A) Mehrere Wasserwerte gleichzeitig stark verändern
B) Koralle dokumentieren und das Schadbild eingrenzen
C) Beleuchtung komplett ausschalten
D) Das gesamte Aquarium behandeln
Richtige Antwort: B
5. Warum sollte eine betroffene Koralle möglichst separiert werden?
A) Damit sie mehr Licht bekommt
B) Damit die Temperatur steigt
C) Für eine kontrolliertere Behandlung und um unnötigen Kontakt zu anderen Korallen zu vermeiden
D) Damit die KH steigt
Richtige Antwort: C
6. Was kann ein möglicher Ausgangspunkt für Brown Jelly sein?
A) Mechanische Gewebeschädigung
B) Ein sauberer Ablegerstein
C) Normale Polypenexpansion
D) Korallenwachstum
Richtige Antwort: A
7. Ist jeder braune Schleim auf einer Koralle Brown Jelly?
A) Ja
B) Nur bei LPS
C) Nein
D) Nur nachts
Richtige Antwort: C
8. Was sollte zusätzlich zur Behandlung des sichtbaren Schadbilds untersucht werden?
A) Die Ursache der ursprünglichen Gewebeschädigung oder Belastung
B) Nur die Farbe des Aquariums
C) Nur die Beleuchtungsmarke
D) Nur die Fütterungszeit
Richtige Antwort: A
9. Was ist bei einer Behandlung mit einem Korallendip wichtig?
A) Die Dosierung frei zu verändern
B) Das Präparat nach Herstellerangaben anzuwenden
C) Das Bad direkt ins Hauptbecken zu geben
D) Die Koralle danach nicht mehr zu beobachten
Richtige Antwort: B
10. Welche Aussage beschreibt das Vorgehen bei Brown Jelly am besten?
A) Symptom ignorieren und einige Wochen warten
B) Sofort alle Wasserwerte maximal verändern
C) Schadbild dokumentieren, betroffene Koralle sichern, geschädigtes Material kontrolliert entfernen und den Verlauf beobachten
D) Immer sofort Antibiotika ins Display geben
Richtige Antwort: C
